Im Schatten der Kraniche

(3 Kundenrezensionen)

24.00 inkl. MwSt.

Autor*innen: Bernadette Németh
Erscheinungsdatum: 09.2025
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-99029-699-8

Artikelnummer: 9783990296998 Kategorie:
Beschreibung

Die Sängerin Ida träumt von den ganz großen Rollen, von der Freiluftbühne, da würde sie sich bewähren, das weiß sie. Wäre da nicht ihre Familie in dem kleinen burgenländischen Ort Sankt Margarethen, die ihr wie ein Klotz am Bein hängt. Von ihrer Großmutter hat sie zudem einen alten Streckhof geerbt, den man nicht einmal verkaufen kann.
Als sie fast eine Affäre mit dem selbstherrlichen Intendanten und Schürzenjäger Gustav Fehr beginnt, verspricht der ihr die Hauptrolle der Dorabella im Opernsteinbruch Sankt Margarethen – doch der rätselhafte, wiederkehrende Stimmverlust, der Ida heimsucht, droht ihren Traum zu vernichten.
Éva träumt gar nicht mehr, Éva ist eigentlich kaum mehr am Leben. Hochschwanger war die Budapester Jüdin zur Zwangsarbeit in den Steinbruch Sankt Margarethen verschleppt worden; dort bringt sie, schon mehr tot als lebendig, ein Mädchen zur Welt, bevor sie von der SS ermordet wird. Das Kind aber lebt – Anna, Idas Mutter.
Dramatisch wie berührend erzählt dieser Familienroman vor dem Hintergrund realer historischer Geschehnisse von einem wenig präsenten Kapitel der Geschichte: das Schicksal der Frauen im Krieg. Ihr Krieg war ein anderer als jener der Männer, aber ihre Traumata prägen ganze Generationen und Landstriche.
Bernadette Németh, Jahrgang 1979, wuchs zweisprachig (deutsch und ungarisch) auf. Sie studierte Medizin, veröffentlicht Belletristik und Reiseführer und lebt als Autorin, Journalistin und Ärztin in Breitenbrunn am Neusiedler See. Im Schatten der Kraniche wurde mit einem Arbeitsstipendium der Stadt Wien gefördert.

Rezensionen (3)

3 Rezensionen für Im Schatten der Kraniche

  1. Kerstin

    Mich hat der Klappentext neugierig gemacht. Es ist mal etwas anderes, von den Frauen in der Kriegszeit zu lesen.

    Für mich ist es das erste Buch, dass ich von der Autorin lese und ich habe ein bisschen gebraucht, um in die Geschichte hineinzukommen. Aber dann hat sie mich nicht mehr losgelassen.

    Es wird in mehreren Zeitabschnitten geschrieben, was ich sehr spannend finde. Somit kann man sich besser in die damalige Zeit hineinversetzen und bekommt einen tieferen Einblick in das, was damals geschah. In der Gegenwart geht es um Ida. Sie träumt von den großen Rollen, von einer Karriere als Sängerin in Wien. Doch da ist auch noch ihre Familie, die andere Pläne für sie hat.

    Die Vergangenheit handelt dann von ihrer Mutter und ihrer Großmutter. Es zeigt sich, wie die Geschichten der drei Frauen verwoben sind. Wie sie ihre Träume und Wünsche verbinden.

    Die Schicksale der Frauen im Krieg werden thematisiert, aber es geht um so viel mehr. Es geht um Träume, Wünsche, Hoffnung und Zuversicht. Die Stärke, die die Frauen in dieser Zeit beweisen mussten. Sie mussten hart arbeiten. Ihre Männer waren weit weg, viele im Krieg gefallen. Sie standen oft alleine da, mit Kindern, Hof und allerlei Arbeit, Sorgen und Ängsten. Und doch war aufgeben kein Thema. Sie kämpften immer weiter für ihre Familien und auch für sich selbst.

    Eine berührende Geschichte, die einem wieder vor Augen führt, was Menschen alles aushalten mussten und auch heute noch aushalten müssen. Ein Augen öffnendes Buch.

  2. Láng Erzsébet

    Mutiges Epos aus dem Burgenland, die Autorin schafft es, Schönheit und Grauen lesbar zu zeichnen, wie aus der Vogelperspektive

    „Im Schatten der Kraniche“ ist das bislang beste Buch der burgenländischen Autorin Bernadette Németh. Schon ihr Debütroman „Der Rest der Zeit“ war ein Dreigenerationenroman, allerdings fehlte mir da noch ein wenig die Kontinuität. Nach dem berührenden Liebesroman „Wunschnovelle“ und dem unterhaltsamen Krimi „Neusiedler Tod“ legt sie nun einen schweren Stoff vor: Die Geschichte der Sängerin Ida, die die Vergangenheit ihrer Großmutter aufdeckt. Und die geschah in schwierigen Zeiten: Am Ende des 2. Weltkriegs wurden Zigtausende Zwangsarbeiter aus Budapest zur Arbeit am letzlich sinnlosen Südostwall ins Burgenland abkommandiert. Das Leben der Budapester Jüdin Éva und das der vom aufdringlichen Intendanten bedrängten Ida hängen zusammen, was sich in Idas rätselhaften Stimmverlusten äußert. (Ich will nicht spoilern). Doch das Buch unfasst noch viel mehr Themen als Shoah, „Me-too“ und transgenerationale Traumaweitergabe. Die lebensnahe Schilderung der Roma und Sinti im Burgenland ist sehr berührend, ebenso die Thematisierung der Schrecken der russischen Besatzung (dass die Russen nicht nur „Befreier“ waren, sondern Generationen von Frauen in Mitteleuropa traumatisiert haben, trauen sich ja heutzutage wenige Autorinnen zu schreiben, die Autorin zeigt somit ihre Vielschichtigkeit und Weitsicht). Besonders gut gefallen haben mir die regelmäßigen und damit übersichtlichen Zeitsprünge und der durchgehende Spannungsbogen trotz der Themenvielfalt. Mit psychologischer Akribie malt Autorin Németh ihre Figuren, vom weisen Rom über die Sängerin mit der goldenen Stimme, Menschen im Luftschutzkeller im zerbombten Budapest bis hin zu Schlimmerem. Bemerkenswert auch das Feingefühl, mit dem die Autorin sowohl das Grauen als auch Schönes zeichnen kann.
    „Im Schatten der Kraniche“ ist wieder ein sehr schöner Roman von Bernadette Németh. Er ist nicht (nur) realistisch, sondern menschennahe. Schicksale werden seziert, Schicht für Schicht gelüftet und neu sortiert, so dass man neue Sichtweisen bekommt. Trotz der brutalen Ereignisse geht die Autorin besänftigend vor und ist immer auf der Seite der Schwächeren. Sie lässt die Leser nicht in einer hoffnungslosen Trauer zurück, sondern in Vertrauen. Sie lässt die Leser mitfliegen, und die Erde, die Ereignisse quasi aus der Vogelperspektive betrachten. Es gibt neue Maßstäbe zu suchen und zu finden. Sie baut zwischen Himmel und Erde eine liebevolle, sensitive Brücke.
    Herzlichen Dank für dieses Buch!

  3. Sandra Liefeld

    Ich habe dieses spannende Buch bis zur letzten Seite gelesen und ich bin irgendwie sprachlos.

    Was für eine besondere Geschichte das ist. So tiefgehend und schonungslos. Ich muss immerzu an die Frauen in den Zeiten des Krieges denken und ich bin furchtbar schockiert, was sie alles erlebt haben und wie sich ihr Trauma durch Generationen ziehen.

    Eigentlich umgehe ich bewusst das Thema mit dem Krieg, seit wir damals mit der Schule (10. Klasse) ein KZ besucht haben. Mich macht es immer wieder total fertig. Diese ganzen Grausamkeiten, die Menschen anderen Menschen angetan haben zu lesen, zu hören oder zu sehen, ist sehr traurig und bewegend. Als ich mich für das Buch entschieden habe, da dachte ich, dass das Thema mit der SS und dem ganzen Krieg nur am Rand sei…

    Aber es ist sehr präsent und wird sehr offen geschildert. Es nimmt viel Platz ein und zieht sich durch Generationen bis in die heutige Zeit. Auch viele Begleitumstände, das ganze drum herum wird aufgezeigt. Beispielsweise, wie sich die Frauen in einem Luftschutzbunker gefühlt haben, in dem ganzen Dreck, mit viel Hunger, Durst und schrecklicher Hoffnungslosigkeit und Angst. Oder wie die Frauen auf den Dörfern die Kriegszeit erlebt haben, als das Land von den Nazis unterjocht und anschließend durch die Russen „befreit“ wurde. Wir lesen von den Grausamkeiten der Überlegeneren und wie andere Völker, die bei uns leben (Sinti und Roma), misshandelt und behandelt wurden. Wir erfahren auch von fremden Sitten und Gebräuchen, von Gedanken und der Hoffnung der Menschen. Erleben was es mit ihnen macht und dass etwas von allem bleibt, weitergegeben wird, auch wenn man gar nichts mehr damit zu tun hat.

    Eine meiner Lieblingsstellen ist auf Seite 78, als Amalia zur weinenden Anna spricht „Das ist ein fremder Schmerz, den du da fühlst. Der Schmerz zieht sich durch Familien, bis jemand ihn fühlt. Irgendwann wird ein Kind geboren, das fähig ist, den ganzen Schmerz seiner Vorfahren zu fühlen.“

    Nachdenklich macht mich auch die Szene auf Seite 237. “ Du spürst etwas, aber du weißt nicht was es ist. Dass bedeutet nicht, das es nicht da ist. Sieh, wonach orientieren sich die Kraniche am Himmel?“

    Der Roman springt in den Zeiten zwischen 1917 und heute. Die Kapitel sind kurz und der Leser weiß immer wo und wann er sich gerade befindet. Die Geschichte liest sich flüssig aber es ist eine sehr schwere „Kost“ und die muss man erstmal verkraften.

    Deshalb empfehle ich das Buch erst ab 18. So, wie Filme ja auch eine Altersangabe haben. Wenn dieses Buch in der Schule gelesen werden sollte, dann vielleicht erst in der Oberstufe und mit einfühlsamer und aufmerksamer Begleitung des Lehrers. Der dann auch aufkommende Fragen beantworten kann.

    Danke für diese gut erzählte Geschichte, die auf wahren Geschehnissen basiert. Es ist meiner Meinung nach sehr wichtig, dass wir auch heute noch an das Thema erinnert werden, denn es hat in uns Spuren hinterlassen und wir können es heute noch fühlen.

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