Schöne Melancholie

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Erscheinungsdatum: 10.2025
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-99029-692-9

Artikelnummer: 9783990296929 Kategorie:
Beschreibung

Arnaud Delagrave, Mitte vierzig, arbeitet bei der größten Werbeagentur Montréals, und gilt zusammen mit seinem Freund und Kollegen Jean-Claude Bonneau als Experte für Schadensbegrenzung. Privat ist Arnaud in die junge Anwältin Amélie Roy verliebt.

Als in der Drago Polar Mine in Nunavik bei einem Unfall zwölf Arbeiter, darunter zehn Inuit, ums Leben kommen, ruft der Minendirektor Jean Fortier Arnaud und Jean-Claude zu Hilfe. Die Amokfahrt eines junges Inuk aus dem Nachbardorf Imaluit, die weitere sieben Opfer fordert, und das Erschießen mehrerer Personen lassen die Situation außer Kontrolle geraten. Der Polizist Ben Patulik, ein alter Inuk, gibt ihm das Foto der achtzehnjährigen Nancy Kudluk, die möglicherweise zur Aufklärung der Hintergründe beitragen kann.

Arnaud macht Nancy in Montreal ausfindig, wo sie als Prostituierte Geld verdient. Von ihr erfährt sie, wie es zu der Amokfahrt und den Erschießungen gekommen ist. Nachdem Arnaud dem Fernsehjournalisten Jean-Nicholas Legendre diese Informationen anonym hat zukommen lassen, trennt er sich von Amélie, kündigt in der Werbeagentur, sorgt für Nancy Kudluks Zukunft vor und verlässt Montréal.

Im Zusammenhang mit den Geschehnissen in der Mine schildert Michel Jean auch die Lebensumstände der Inuit in Nunavik, die durch die massenhafte Erschießung der Schlittenhunde in den sechziger Jahren durch die Québécer Polizei zur Sesshaftigkeit gezwungen und dadurch in Alkoholsucht und Drogenabhängigkeit getrieben wurden.

Rezensionen (1)

1 Rezension für Schöne Melancholie

  1. Karsten Koblo, aus-erlesen.de

    Sie sind die Feuerwehr, wenn’s brennt, aber der Rauch sich erst noch entwickeln wird: Arnaud Delagrave und Jean-Claude Bonneau. Sie sind Spezialisten für Fälle, für die es keine Spezialisten gibt. Kurzum: Wenn beispielsweise in einer Mine zwölf Menschen ums Leben kommen, darunter zehn Inuit, die Firma aber unbedingt expandieren will, die Umweltschützer und die autochthone Gemeinde wegen des Minenunglücks (und der Toten) aber schon mit den Hufen scharren, dann ist man gut beraten die beiden zu rufen. Troubleshooter, Werbefachleute – es gibt unzählige Titel für Männer wie sie.
    Arnauds Ausstrahlung trifft auch Amélie wie ein Blitz. Fast halb so jung wie er haben die beiden eine leidenschaftliche Affäre. Er versucht sich immer wieder einzureden, dass es keine gute Idee ist sich auf die junge Anwältin einzulassen. Aber was will man – was will er – machen?! Anziehungskräfte unterliegen in seinem Fall anderen Gesetzen als denen der Vernunft.
    Das Unglück ist nun mal passiert. Nicht das mit Amélie, das ist kein Unglück, sieht man von den Frotzeleien seines Kollegen ab. Nein, die Rede ist vom Mineneinsturz der Drago Polar Mine. Und ja, es sind auch Inuit darunter. Ein ganz heißes Eisen für jeden, der darin verwickelt ist. Für die Drago Polar Mine kann es der Dolchstoß sein. Denn Unterdrückung von Minderheiten war und ist in Kanada immer noch ein Thema – wer Michel Jean liest, wird so manches Mal mit staunenden Augen ein neues Licht auf das ach so erstrebenswerte Kanada fallen sehen. Die Medien stürzen sich erwartungsgemäß auf das Thema. Die kann man nur partiell steuern. Das wissen Arnaud und Jean-Claude. Unerwartete Hilfe bekommen sie von Ben. Einem altgedienten Polizisten, Inuk und somit selbst Teil der Ausgrenzung. Er gibt den beiden den Tipp Nancy zu suchen. Nancy ist irgendwo untergetaucht. In einem Milieu, in dem man in Klamotten wie sie Arnaud trägt unweigerlich und sofort auffällt. In der riesigen Metropole Montreal ist die Suche nicht einfach. Doch Arnaud ist schlau und gewieft. Er findet Nancy. Sie kann ihm tatsächlich helfen. Und das wirft Arnauds komplettes Weltbild um. Das, was sie zu erzählen hat, ist Sprengstoff für Wirtschaft und Politik. Für Arnaud ist es der Wendepunkt…
    „Schöne Melancholie“ – der Titel führt den Leser erstmal auf eine falsche Fährte. Schön ist hier kaum etwas. Und melancholisch sind diejenigen, die längst aufgegeben haben und im Alkohol ihre letzte Zuflucht gefunden zu haben scheinen. Während des Lesens muss man sich warm anziehen und so manches Unglück ertragen. Das gehört zum Lesen dazu.

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