Gedichte Italienisch/Deutsch

Ausgewählt und aus dem Italienischen übertragen von Hans Raimund

ca. 256 Seiten, gebunden, bedruckter Vor- und Nachsatz, Lesebändchen, Prägedruck

EUR 14,95 / sfr 21,00

HANS RAIMUND: geboren 1945; studierte Musik, Germanistik, Anglistik; arbei-tete als Lehrer an AHS von 1972 bis 1984; lebte von 1984 bis 1997 als freier Schriftsteller und Übersetzer in Duino bei Triest; lebt seither wieder in Österreich, in Hochstraß bei Lockenhaus im Burgenland; veröffentlichte sieben Bände Lyrik (zuletzt Trauer träumen im Verlag Otto Müller), drei Bände Essays und Kurzprosa; Übersetzungen aus dem Italienischen (Gesualdo Bufalino, Sergio Solmi u. v. a.), aus dem Französischen (Anne Meistersheim u. a.), aus dem Englischen (Michael Hamburger
u. v. a.). Zahlreiche Preise und Stipendien (Georg-Trakl-Preis, Würdigungspreis des Landes Niederösterreich; Wystan-Hugh-Auden-Übersetzerpreis). Seine Übersetzung der Gedichte Lucio Piccolos wurde 2002 in Italien mit dem Premio Città Ascoli-Piceno ausgezeichnet.

LUCIO PICCOLO: Der Baron Lucio Piccolo di Calanovella wurde am 27. Oktober 1901 in Palermo geboren. Er verbrachte sein Leben fast ausschließlich auf dem Landsitz der Familie in Capo d’Orlando, Messina, wo er auch am
6. Mai 1969 starb. Die Villa in Capo d’Orlando, vormals die Sommerresidenz der Familie, ab 1920 der feste Wohnsitz der unverheirateten, ihren exzentrischen Neigungen lebenden Geschwister Lucio, Casimiro und Agata Giovanna, ist heute ein Museum. Finanziell wohlsituiert, war Piccolo in der Lage, sich sein Leben lang ausschließlich seinen privaten Studien zu widmen. Er studierte Sprachen, Philosophie, Mathematik, Physik, Astronomie, Musikgeschichte; er spielte Klavier, komponierte; er interessierte sich lebhaft für Okkultismus und Esoterik; er war ein hochgebildeter Dilettant, der aufgrund des soliden Familienvermögens allen seinen in verschiedenste Richtungen gehenden Neigungen zu folgen imstande war.

Zum Buch:
Piccolos »barocke« Dichtung ist aus einem aristokratisch-elitären, posthistorischen Bewusstsein heraus entstanden. Der Dichter sah sich in eine Welt gestellt, in der alles schon vor langer Zeit geschehen war, in die einzigartige Welt des alten Sizilien, gestaltet und beherrscht von der privilegierten Schicht der Adeligen, in eine Welt, die im Begriff war, sang- und klanglos unterzugehen. Piccolos Dichtung hat ihre Wurzeln in einem konkreten Heimatboden, in Palermo, vor allem in dem Palermo seiner Kindheit, einer von barockem Leben erfüllten Stadt mit ihren Gebäuden, Denkmälern, Gärten, mit ihren Düften und mannigfachen Arten von Licht. Aus dem Fundus dieser Wirklichkeit erstellt der Dichter das Realitätsinventar seiner Texte. Aber wenn Piccolo auch von seinen Wurzeln in einer konkreten Wirklichkeit ausgeht, so übersteigt er sie, fortgerissen von den Bildern der Sprache, immer wieder, inspiriert von einer durch das Studium der mittelalterlichen Mystiker und der Schriften Husserls genährten Leidenschaft für das Nicht-Erdhafte, das Überirdische. Doch dieser Raptus eines mystischen Welterlebens gelingt Piccolo nie lange. Immer wieder reißen die Bildkaskaden jäh ab, holt sich der Dichter, ein »Mystiker der Materie«, wie ihn Sciascia nennt, mit einem knappen, bitter summierenden Spruch auf den Wurzelboden der Erde zurück, wie zum Beispiel in den letzten Zeilen des großen Gedichts Die Sonnenuhr: »Doch ist das Flüchtige Bestürzung, / so ist das Ewige Entsetzen.«

 

 

 

Rezensionen & Reaktionen

Pressestimmen

 

Der Klagenfurter Wieser Verlag hat deshalb die elegante und informative Reihe »Europa erlesen« gegründet, die verschiedene literarische Visionen einer Gegend oder einer Stadt vorstellt. Bereits die Titel lassen erkennen, daß hier das Unbekannte gleichberechtigt neben das Berühmte tritt. Entworfen werden soll eine kulturelle Anatomie Europas, die den Zusammenhang des Ganzen, aber auch die eigenständigkeit der Teile faßt. Gerade in einer Zeit, die im Osten politische und im Westen ökonomische Grenzlinien zu Fetischen kultureller Identität macht, kommt der Aufmerksamkeit für Randregionen ein gesteigerter Wert zu: In der Schnittmenge von Eigen- und Fremdbild entsteht das unverwechselbare Profil von Gegenden, die sich selbstbewußt in die Vielfalt Europas einpassen.

Neue Zürcher Zeitung

“Echte Kulturmenschen erkennt man in Zukunft daran, ob Sie dieses kleine Büchlein eingesteckt haben.”

Karin Resetarits, ORF
 
“Eine Einstiegsdroge – ohne diese kleinen Bände mag man gar nicht mehr verreisen.”

Uschi Loigge, Kleine Zeitung

“Handlich, mit Goldprägung und Lesebändchen sind die kleinformatigen Büchlein wahre Kleinodien.”

Tobias Gohlis, Die Zeit