Ein Gedicht
42 Seiten, gebunden, Lesebändchen
EUR 14,80

Der erzwungene und verhasste Sohn kommt zur Welt. Eine musikalische Karriere ist vorgezeichnet. Doch hinter dem Idyll Bach’scher Harmonien und bigotter Religiosität lauert eine Welt unterdrückten Zorns. Quälende Ohnmacht und undurchdringliche Trauer. Die depressive “Königin der Nacht” lässt das Kind verkümmern. Sie umschließt das feinsinnige und zerbrechliche Wesen mit eisiger Kälte. Zum Schutz vor seinem Jähzorn.

Fels ragt vor den Gittern auf. Spiegel seines Leidens. Ein in den glitzernden Kristallen eingeschlossener Engel weint das Blut der Steine. In der Projektion seiner Seele wird der von Kohlenstoff durchzogene blendend weiße Marmor voller Strukturen, Adern und Einschlüsse zum Symbol der Erlösung.

Der Auftrag: sie herausarbeiten und nicht einfach wegschlagen.

Aber die fein geschichtete Welt zerspringt. Blanke Wut bricht aus ihm.

Er schlägt um sich.

Er kann es nicht lassen.
Schlug mit dem Schädel aufs Eis.
Da erzitterte der Spiegel. Sein Grinsen.
Barst. Blendend, blinkend Glas.
Die Augen blitzten – sternenklar, Ruhe und Rast.
Königin zur Nacht.

Axel Karner: geb. 1955 in Zlan, Kärnten; lebt und arbeitet als Autor und Lehrer für evangelische Religion, darstellendes Spiel und soziales Lernen in Wien. Schreibt Gedichte und Geschichten in Dialekt und Schriftsprache. Mitglied u. a. bei der GAV (Grazer Autorinnen Autorenversammlung), ÖDA (Österreichische DialektautorInnen/Archive), dem Österreichischen Schriftstellerverband (OeSV/AWA) und beim Literaturkreis Podium. Ausgezeichnet u. a. mit dem BEWAG-Literaturpreis und dem Kärntner Lyrikpreis. Bei Wieser: Die Stacheln des Rosenkranzes. Lissabonner Gedichte (2007), Chanson Grillée. Gedichte. Mit Illustrationen von Anne Seifert (2010), Der rosarote Balkon (2012).