Ein Roman in Erzählungen
ca. 120 Seiten, gebunden, Lesebändchen
EUR 21,00

Unter der Kuppel der Schneekugel liegt das Grenzstädtchen, der Slowenenhügel und der Eisenpass. Immer wieder schüttelt der Erzähler die Kugel, und Schnee fällt auf Unterkärnten und die Obersteiermark. Der Roman wirbelt die ergreifenden Geschichten einer kleinen Familie im zweisprachigen Gebiet auf, die durchkreuzt werden von der großen Historie: Krieg, Verfolgung, Sprachenkampf.

Die titelgebende Erzählung erhielt den Premio letterario internazionale Merano-Europa 2019. Patrick Rina, ORF, schreibt in seiner Laudatio: Uns allen täte ein Schütteln – in diesem Fall ein Lesen – der Schneekugel gut. Dieser Text fesselt den Leser einerseits mit dem dosierten (niemals schulmeisterlichen!) Rückgriff auf Kärntens verminte Zeitgeschichte, mit dem Erläutern der Nachkriegsdemenz, mit der Vorwegnahme einer Bodenprobe des Haider-Humus. Andererseits besticht der Text durch die weißen Zwischenräume. Er lebt auch vom Nicht-Geschriebenen, vom bloßen Anstupsen eines Gedankendominos, von den „verhauchenden Atemwölkchen“ der Gefühle. Eine große kleine Erzählung mit poetischer Kraft!

Und sein Taufpate? Immer wieder pries Mutter seine Sanftheit. War er denn nicht auch von „unten“? Nie sprach man von seiner Herkunft, auch er selber nicht. Und seine Frau, die Tante, war doch die Tochter von einer über der Grenze. Seine Familie hörte an der Grenze nicht auf. Oder doch? Der Bruder seines Paten und Mutters Cousin hatten im Krieg vielleicht gegeneinander gekämpft. Sie hätten sich aber auch verbrüdern können bei einem Familienfest. Wo fing Familie an? Wo hörte sie auf?

Hugo Ramnek: Geboren 1960 in Klagenfurt/Celovec, aufgewachsen in Bleiburg/Pliberk, studierte Anglistik und Germanistik in Wien und Dublin und besuchte die Schauspiel-Schule Zürich. Er lebt seit 1989 als Schriftsteller, Gymnasiallehrer und Leseperformer in Zürich. Im Wieser Verlag erschienen: Der letzte Badegast, Roman, 2010. Ausgezeichnet mit der Anerkennungsgabe der Stadt Zürich. Kettenkarussell, Erzählung, 2012. Nominiert für den Bachmannpreis. Momentum, Texte zu Bildern von Arno Popotnig, 2013. Meine Ge-Ge-Generation: Eine Jukebox, 2017. Das Letzte von Leopold, 2019. Diverse literarische Preise für Prosa und Lyrik.

Rezensionen & Reaktionen

Pressestimmen

Ein großes kleines Buch, lakonisch, tiefgründig, anmutig.
Manfred Papst, NZZ am Sonntag vom 28. Juni 2020, Beilage Bücher am Sonntag, S. 11

Es gelingt Ramnek mit seiner Sprachkompetenz und reduzierten Erzählweise, die Seele Unterkärntens so zu erfassen, dass auch ein Nichtkärntner Leser spüren wird, wie dieses Land geatmet und getickt hat. Der Bogen reicht auf der einen Seite weit zurück und auf der anderen bis in die Gegenwart.
Janko Ferk, Literaturhaus Wien, 6. Juni 2020

Kärntner Woche vom 10. August 2020

Feuilletonscout vom 7. August 2020

Literaturhaus Wien vom 6. Juni 2020

Kleine Zeitung vom 4. April 2020