82 Seiten
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Die Freunde und Weggefährten Gruša und Havel ziehen in einem öffentlichen Gespräch im rahmen eines Symposions, das die Diplomatische Akademie Wien gemeinsam mit dem österreichischen P.E.N.-Club veranstaltet hat, Ende November 2005, in Wien, Bilanz über 27 Jahre tschechischer, tschechoslowakischer, mitteleuropäischer und europäischer Entwicklung. Ist die Fragestellung und sind die Werte, die Václav Havel vor 27 Jahren in seinem nachdenklichen Text „Die Macht der Machtlosen“ anstellt und propagiert, lange bevor er als Präsident der Tschechoslowakei an die Macht kam, heute überholt, wurden sie damals als programmatische Schrift verfasst? Havel hat die Macht der Mächtigen und die der Machtlosen erlebt, als Präsident und Dissident. Wie steht es um die Macht der Mächtigen heute, nachdem der Dichter Havel nicht mehr Präsident ist, und war er als Präsident ohnmächtig?

Sind die Aufrufe zur Achtung des Bürgers und des einzelnen Menschen durch den Erweiterungsschritt in Europa nicht mehr aktuell, oder kann aus der besonderen Situation, in der Václav Havel vom Dichter zum Präsidenten wurde, auch Allgemeines abgeleitet werden? Und nicht zuletzt, wenn die Gedanken vor 27 Jahren der Anstoß für eine der größten Veränderungen des letzten Jahrhunderts waren, kann dann heute geschlussfolgert werden, dass für die zukünftige europäische Entwicklung auch vom Wort und der Vision jene Kraft ausgeht, die zwar eine Revolution nicht mehr notwendig macht, und wenn, dann höchstens eine sanfte?

Wie steht es heute um die Macht der Worte, wie um die der Literaten? Kann man Dichter und Politiker zugleich sein, oder hat György Konrad Recht, der den Schriftsteller als Antipolitiker sieht? Auch Ji r í Gru š a stellt die Frage: Inwiefern hat Václav Havel die Dramaturgie und seine theatralische Gabe geholfen, sich auf das Amt des Präsidenten einzustellen? Hat ihm der Schriftstellerberuf genützt, den Präsidentenberuf auszuüben?

„Mit vereinten Kräften?“ Internationales Symposium
Ein Symposium über die Rolle der Nationalliteraturen bei der Entstehung mitteleuropäischer Nationalismen mit Ji r í Gruša, Václav Havel, György Konrád, Paul Lendvai, Michael Ley, Wolfgang Müller-Funk, Dragan Velikic u. a.

Das Buch zum Symposium erscheint in der Reihe „Favorita Papers“ der Diplomatischen Akademie Wien.

Václav Havel: geboren, am 5. Oktober 1936 in Prag.

1951 Er beendet die Grundschule. Wegen seiner „bourgeoisen“ Klassenzugehörigkeit sind die Möglichkeiten einer höheren Schulbildung für ihn erheblich eingeschränkt.
1951-1957 Chemielaborant und Abendgymnasium (Matura 1954), Wirtschaftsstudium.
1957-1959 Grundwehrdienst. Erste literarische Werke.
1960-1968 Theater am Geländer, zuerst Bühnentechniker, dann Regieassistent und Dramaturg.
1962-1966 Studium der Dramaturgie in Prag; erste Theatererfolge im In- und Ausland.
1968 Mitglied des Klubs der engagierten Parteilosen (KAN), Vorsitzender des Kreises unabhängiger Schriftsteller, Mitglied des Ausschusses des tschechischen PEN-Zentrums.
1969 Der Untergrabung der Republik beschuldigt, wird er nach dem Verbot der Ausübung künstlerischer und schöpferischer Tätigkeit Arbeiter.
1970-1976 Dramatisches und literarisches Schaffen im Untergrund.
1972 Petition für die Freilassung politischer Häftlinge.
1975 Offener Brief an Präsident Husák zum Zustand der Gesellschaft. Gründet die Edition Expedition, eine Editionsreihe für unabhängige Literatur.
1977 Mitbegründer der Bürgerinitiative Charta 77.
1978 Mitglied des Ausschusses zur Verteidigung der zu Unrecht Verfolgten (VONS), Sprecher der Charta 77.
1977-1989 In der Oppositionsbewegung gegen die Regierungspolitik der kommunistischen Partei aktiv. Viermal inhaftiert. Verbringt fast fünf Jahre im Gefängnis.
1989 Führender Vertreter des Bürgerforums, Symbolfigur der „Samtenen Revolution“.
1989 –2003 Präsident zuerst der Tschechoslowakischen, dann der Tschechischen Republik.

 

 

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