ca. 200 Seiten, gebunden, Lesebändchen
EUR 21,00 / sfr 30,50

Das Abendlicht war sanft, manche Häuser lagen schon in Schatten, doch die Straßen im Zentrum pulsierten vom Leben, sie waren bunt und laut, eine Vielfalt von Sprachen und Stimmen. Auf der Piazza Navona traten Straßenkünstler auf, und auf dem Campo de’ Fiori waren alle Tische besetzt. Immer wieder übertönte Gelächter die Melodien der Musiker, durch die Gassen wehte der Geruch nach Essen. Von allen Seiten stachen die Lichter aus Fenstern und Laternen in den Abend, Kinder spielten vor ihren Haustüren. Es war der bislang wärmste Tag in diesem Jahr, und die Stimmung ließ erahnen, dass die Nacht lang würde.

Nach dem Tod der Mutter begleitete Fabian seinen Onkel auf eine Reise von Wien aus nach Rom. Dort lernte er Lucilla kennen und lieben, und Rom wurde zu seiner neuen Heimat. Doch erschüttert wieder ein Unglück sein Leben, und er zieht nach Ligurien, um Ferienwohnungen seines Onkels zu betreuen. Von Einheimischen und Einwanderern umgeben, versucht er noch einmal, ein neues Leben aufzubauen.

Mit seinen Erzählungen erweist sich Stanislav Struhar als Meister der leisen Töne und der präzisen Beobachtung, der auch in Liebesdingen genau um die Bedeutung des Wartens auf den richtigen Augenblick weiß.

Stanislav Struhar: 1964 in Gottwaldov (heute Zlín) geboren, versagte sich dem Anpassungsdruck des tschechoslowakischen Regimes in den 1980er Jahren. Nach wiederholten Selbstmordversuchen wurde er zweimal in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. 1988 floh er schließlich mit seiner Frau nach Österreich, doch die Zusammenführung mit dem in der Tschechoslowakei gebliebenen Kind gelang erst nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. Seit jungen Jahren schreibt Struhar Gedichte und Prosa, zuerst noch in tschechischer Sprache, bald aber in deutscher Sprache. Sein bisheriges literarisches Schaffen wurde durch Stipendien unterstützt und erhielt zahlreiche Anerkennungen. Stanislav Struhar lebt heute in Wien. In deutscher Sprache erschienen: Der alte Garten (Gedichttrilogie, 2001), Das Manuskript (Roman, 2002), Eine Suche nach Glück (Roman, 2005), Fremde Frauen (zwei Erzählungen, 2013, erschien soeben auch auf Tschechisch).

Rezensionen & Reaktionen

Pressestimmen

Landesecho vom 3. März 2015

Buchblinzler Buch der Woche vom 2. März 2015

We The People vom Dezember 2014

Vielleicht erleben wir immer neue Abschnitte bloß deshalb, um die alten zu vergessen. Stanislav Struhar macht sich mit dem Roman „Das Gewicht des Lichts“ an eine ungewöhnliche Aufgabe heran. Durch die pure Kraft des sommerlichen Lichts versucht ein etwas lebenswackelig gewordener Held wieder Gelassenheit zu finden im Zentrum der eigenen Protuberanzen. Fabian hat schon ein paar Lebens-Stationen hinter sich, die vor allem darin bestanden haben, in Wien oder Rom heimisch und authentisch zu werden. Jetzt ist gerade wieder Umbruchszeit und Fabian tritt eine Stelle als Ferien-Hausmeister an, das heißt er verwaltet und pflegt an der ligurischen Küste bei Ventimiglia ein paar Ferienwohnungen seines Onkels. Unterstützt wird er dabei von Kerstin, die ihrerseits eine Handvoll Wohnungen betreut für die stets wechselnden Gäste aus dem ganzen Kontinent. Der ganze Landstrich ist zu einem Boulevard des Sommers geworden, die Touristen kommen, um sich zu räkeln und ihr Schicksal in eine neue Richtung zu drehen. Manche Frauen flanieren schon seit Jahren mit ihrem Anmachdress durch die Gassen, es geht um gute Stimmung, nicht das etwas belastend Inniges daraus entstünde. Fabian erledigt seine Arbeiten, Abflussrohre freimachen, Kaffee nachfüllen, putzen, die Gäste begrüßen und Frohsinn abstrahlen. Ab und zu läuft er Kerstin in die Quere, sie kauft gerade einen frischen Bikini, also ziehen sie hinaus ans Meer und lassen alles treiben. Kerstin soll schon einmal heftig verliebt gewesen sein, erfährt Fabian hinten herum, aber das macht nichts, jetzt liegen sie abgeklärt und ausgeschält in der Sonne wie die Reste einer geplatzten Frucht. Das Leben reduziert sich angesichts des Lichts auf Stimmen, oft hat man in diesem Ambiente stundenlang die Augen geschlossen und hört bloß zu, in welchen Sprachen gesprochen wird, Moldawier, Ukrainer, Finnen, Schweizer. Am Ton merkt man mit der Zeit, ob die Sprechenden heimisch geworden sind oder ob sie heimisch werden dürfen. Es sind auch Einwanderer in der Stadt, die sich recht und schlecht durchlagen, spätestens im Alter aber wollen sie alle wieder nach Hause. (85) „Eine neue Heimat lässt sich nicht finden, es gibt nur eine Heimat.“ (160) Viele haben durchaus abgeschlossen mit ihrer Suche, viele sind müde geworden, andere haben gelernt, sich den Witterungen der Umgebung auszusetzen und zu warten. Stanislav Struhar erzählt von einem Stillleben in der urbanisierten Natur in Echtzeit. Alles hat seine eigene Geschwindigkeit, der Tourismus ist überschaubar und menschlich, die Geflohenen haben ausreichen Zuflucht, die Sehnsüchtigen werden in ihrer Sehnsucht nicht abgewürgt. Und dennoch ist es dann eine Spur anders, wenn man um die nächste Ecke biegt, denn die Sehnsucht biegt sich mit. „Es war der bislang wärmste Tag in diesem Jahr, und die Stimmung ließ erahnen, dass die Nacht lang würde.“ – Leise und aufregend wahr!
Helmut Schönauer, 18. April 2014

„Auch Menschen, die einander unterschiedlich sind, können einen Weg zueinander finden“ – Interview Portál ceské literatury vom 9. Dezember 2013