CD ARBE 2, 1993

EUR 25,00 / sfr 41,90

Bertl Mütter, geboren 1965, der große Österreichische Posaunenindividualist, lebt als freischaffender Musiker und Komponist in Wien. Mit seiner Posaune vermag er faszinierende Geschichten zu erzählen, denn: Worüber ich nicht sprechen kann, davon muss ich spielen — und umgekehrt. Er hat sich, unmerklich, das verbale Erzählen zu seiner künstlerischen Arbeit gesellt, und auch die Texte seiner CDs stellen mittlerweile einen immer wichtigeren Anteil an seinem Gesamtkunstwerk dar.

vorwort zur ersten auflage (1993)
es ist zeit geworden, meine soloarbeit der letzten jahre zu dokumentieren.
alle titel dieser cd entstanden zu konzertbedingungen, jedoch ohne publikum.
die musik spielt in drei räumen: in der neutralen, privaten situation des studios, dem öffentlichen kultraum der basilika zu mariazell und in der unterwelt des wasserspeichers rosenberg I in graz.

vorbedingung zu einer zweiten auflage (2007)
vergriffen. ein wort, das die augen von händlern antiquarischer bücher und tonträger aufleuchten lässt. als die bestellung eines bescheidenen quantums von grenzkæmpfen seitens meines segensreichen vertriebs, dem wieser verlag, nach umfangreicher lagerrecherche von mir mit “tut mir leid, ausverkauft” quittiert werden musste, wusste ich, dass es so weit war. das nichtbedienenkönnen dieser unerwarteten nachfrage (es musste jedenfalls eine immense sein, genauer besehen dann: dreizehn; aber: was eine zahl!, was ein erfolg!) schmeckte urplötzlich nach ruhm noch zu lebzeiten, so etwas euphorisiert jeden künstler und produzenten seiner selbst. sofort war klar: die zweite auflage muss her, der markt schreit förmlich danach.

vorwort zur zweiten auflage (2007)
ich will mir keine bücher ausleihen, habe, in wellen, die angewohnheit, sie vollzukritzeln: was mir besonders gut gefällt (!), was mich amüsiert (?), was mir fragwürdig erscheint (?), was ich mir merken und später auf anhieb wieder parat haben können will (strich am rand bzw. wortgenaues unterstreichen, lineallos), zudem wird das buch mit klammern vollgespickt (eselsohren sind tabu). schaue ich dann jahre später wieder in ein derart individualisiertes buch, wundere ich mich: bitte, was habe ich da markiert? heute würde ich ganz was anderes unterstreichen; vieles ist mir jetzt klar, manches aber auch unklar geworden, kontexte sind verlorengegangen, andere zusammenhänge, ja netzwerke haben sich ergeben. jedenfalls schaut mir aus dem buch ein fremder mensch entgegen, der ich selber bin.
solange wir am leben sind, kann es kein endergebnis geben. heuer werde ich zweiundvierzig, werde aber immer auch, zugleich, vier, sieben, elf, achtzehn oder neunundzwanzig sein. die frage ist, was wird sich später als jahresring oder aber als blatt erweisen?, und manche behaupten ja, immergrün zu sein.
beim nochmaligen durchsehen dieses heftleins (erste auflage) ist es mir ähnlich ergangen: war ich das wirklich?, bin ich das wirklich? – aber ja!
genau deshalb habe ich mich entschieden, die originalen texte mit meinen heutigen, ebenso vorläufigen positionen zu kombinieren. mehr dazu in der folgenden editorischen notiz.
undtrotzdemaber: einmal muss schluss sein (hier: redaktionsschl.).
oderanders: jedes fragment ist eo ipso vollkommen.

editorische notiz zur zweiten auflage (2007)

mit dieser neuen, umfassend umgearbeiteten auflage blicken die grenzkæmpfe in ihrer geschlossenheit nun auf ein dreizehnjähriges bestehen zurück. erste vorstudien datieren gar, wie sich unschwer rekonstruieren lässt, 1991, sodass wir, völlig überrascht von der, wie es scheinen musste, plötzlichen und unerwartet großen nachfrage ernsthaft zu erwägen begannen und nach einem intensiven diskussionsprozess schließlich beschlossen, die beträchtliche editorische anstrengung einer neuausgabe anzugehen, wobei man rasch gewärtigte, sich nicht allein mit einem faksimile des originals zufriedengeben zu können, sondern dasselbe einer gründlicheren bearbeitung unterziehen zu müssen, es dabei um neues erweitern und hinsichtlich der präzisierung von daten auf den allerneuesten stand zu bringen habe, so mussten etwa, da es sich mittlerweile als notwendig erwiesen hatte, bei der angabe der aufnahmedaten dieselben um die führenden ziffern zur präzisen jahrhundertangabe ergänzt werden, zudem wurde besonderes augenmerk darauf gelegt, objektiv an dem strikten, einer nachhaltigen qualitätssicherung dienenden erweiterungsprinzip festzuhalten, bei der aufnahme von neuen beziehungsweise neu aufgefundenen, in ihrer wahren bedeutung erst jetzt erkannten stücken, kleinodien, jawohl, jede invordergrundstellung einer der modernen musikalischen strömungen zu vermeiden, wodurch einzigundallein es, wie wir hoffen, zu jener angestrebten merklichen vertiefung und inhaltlichen ausweitung fern alles modischen, gar modernistischen, kommen konnte, wir mithin ein in sich geschlossenes, nicht aber, wie noch zu zeigen sein wird, abgeschlossenes oder, horribile dictu!, verschlossenes werk vorlegen können, nach welchem das kundige fachpublikum, aber auch der interessierte laie, wie sich gezeigt hat, allzu lange verlangt hat, ein mangel, dem nun abhilfe verschafft werden konnte, in stetem bewusstsein, dass eine vollendete perfektion niemals völlig erreichbar sein kann, weshalb wir es zugleich nicht verabsäumen wollen, ihnen für ihre geschätzte nachsicht zu danken, weil es so sein musste, dass, nicht zuletzt wegen des zeitdrucks, diese neuauflage zwar in einfacheren inhaltlichen fragen auf den neuesten stand gebracht werden konnte, jedoch verbesserungen, die zusätzliche eigene untersuchungen und weiterführende überlegungen erfordert hätten, ebenso wie systematische bibliographische sammlungen in vielen, nicht jedoch in allen fällen zurückgestellt werden mussten, aber, das sei versprochen, in zukunft, und dorthin sei unser blick, sei er pessimistisch, indifferent oder, und das wollen wir hoffen, hoffnungsfroh gerichtet, wird es möglicherweise möglich sein, allfällig sich als notwendig erweisende laufende verbesserungen und aktualisierungen auf elektronischem wege in kürzeren abständen zur verfügung stellen zu können, wodurch es nicht nur, da mit allerneuesten technischen mitteln erarbeitet, heutigen, sondern auch zukünftigen ansprüchen genügen wird können und zudem der forschung auch nachmaliger generationen neue möglichkeiten zu eröffnen zu versprechen verspricht.

weitere CDs von Bertl Mütter:

muetters dichters liebe
bertl mütter solo
cd arbe 14 (2008)
isbn 978-3-85129-685-3

grenzkæmpfe
bertl mütter solo
cd arbe 2 (1993; 2., beträchtlich erweiterte, völlig überarbeitete, vielfach verbesserte und neu gestaltete ausgabe, 2007; mit einem bonus- und malustrack)
isbn 978-3-85129-643-3

muetters muellerin
bertl mütter solo
cd arbe 13 (2006)
isbn 978-3-85129-640-2

parlando
bertl mütter solo
cd arbe 12 (2004)
isbn 978-3-85129-641-9

schubert:winterreise:mütter
bertl mütter solo
cd arbe 9 (2001)
isbn 978-3-85129-642-6

http://www.muetter.at/frameset.htm?CDs/