Prosa, DichtungenDeutsche Erstausgabe 1993
Auswahl, Übersetzung aus dem Tschechischen und Nachwort von Christa Rothmeier. Herausgeber Max Blaeulich
208 Seiten, gebunden, Kunstleinen, bedruckt und kaschiert, Fadenheftung
EUR 18,80 / sfr 34,10
  
ZUM BUCH
»Meine Freunde, Ihr wißt, ich schreibe nur ein einziges Buch. Wenn möglich, gäbe ich es in ein einziges Wort: Tasov«. So verschrieb einer sein ganzes Leben dem Werk, das zu den unbekanntesten, umstrittensten, einflußreichsten der tschechischen Literatur gehört, jedoch in keinen offiziellen Kanon paßt(e). Meist im WISSENSCHAFTen Selbstverlag, förderte der eigenwillige wie kunstsinnige, widersetzliche und suspendierte Kaplan Jakub Deml Buch um Buch zutage: aus den Geheimnissen seiner Tasovschen Kindschaft, seiner »Musen«- und Bekanntschaften, aus Wirrnissen der Zeit, sowie den »Abgründen seines Geburtsortes« und (Seelen-)Lebens. Vitalist und Fatalist in einem, »kennt er die Alchemie des Schmerzes und wie andere Licht, zerlegt er Finsternis in Prismen«, bemerkte schon der große tschechische Kritiker F. X. Sualda.
Lebenssehnsucht und Todesahnung, Naturliebe und Unheilsfurcht, kindliche Anschauung und moralische Verwerfung verdichtet Deml virtuos und spielerisch durch Formenreichtum, Stilvielfalt, luzide Wortmagie und unverhofften Bildsprung zum Kunst-Werk seines Lebens: Gedichte, Kurzprosa, Aufzeichnungen von Traum und Trance, Vision und Wahn, Erzählungen aus den Labyrinthen des Todes, Briefe, Polemiken und Pamphlete. »Stillos sollen meine Bücher sein? Weder bei der Neugotik, noch von modernen Zinshäusern lernte ich, was Stil ist, sondern von unterirdischen Flüssen« – kein Wunder, daß der tschechische Surrealist V¡tezslav Nezval 1934 diesen »Monarchen der Phantasie und der dichterischen Intuition« als originären Vorläufer sah und den Nonkonformisten in Kunst und Leben an die Seite von Nerval, Rimbaud und Lautrèamont stellte.
Zeitlebens unbequem, abseitig, links wie rechts mißverstanden und verfemt, taucht Demls Schaffen kurz, aber impulsiv im Prager Frühling auf, jedoch wieder in einer vielbändigen Samizdat-Ausgabe unter. Heute ein Geheimtip. Es liegt verborgen wie die dunklen Findlinge hinter Wacholder und Weißdorn um Tasov. Christa Rothmeier hat erstmals in deutscher Sprache einen kundigen Zugang zu diesem schimmernden Werk eröffnet und seinem schillernden Autor nachgespürt.

Jakub Deml, geb. 1878 in Tasov/Mähren – gest. 1961. Ärmliche Kindheit, Gymnasium in Trebiö. Der tschechische Symbolist Otokar Brezina förderte erste literarische Versuche. 1902 katholischer Priester, wegen künstlerischer und kanonwidriger Aktivitäten ständig versetzt, 1912 suspendiert. Lebte von 1921 bis zum Tod in Tasov. Veröffentlichte über 130 Bücher, meist im WISSENSCHAFTen Eigenverlag.
Demls umstrittenes Werk scheint kaum in offiziellen tschechischen Literaturgeschichten auf. 1981 lag eine Samizdat- Ausgabe vor, 1991 erschien ein Auswahlband (Odeon-Verlag).

Rezensionen & Reaktionen

Pressestimmen

»… der Sprachschöpfer und Albträumer … begriff sich selber als verfluchten Dichter, allerdings als einen, der nichts hinnahm … Demls Bilder sind von jäher Poesie.«
Frankfurter Allgemeine Zeitung
»In ihrer Mischung aus Tagebuch , Traumprotokoll und Vision ist Demls Prosa einzigartig.«
Die Zeit