Politik und Literatur im babenbergischen Österreich. Schriftenreihe der Akademie Friesach, Band 5,
ca. 43o Seiten, Fadenheftung, gebunden, Lesebändchen öS 398,-/DM 54,50/sfr 49,50

Der prominente steirische Ministeriale und Minnedichter Ulrich von Liechtenstein (um 1200-1276) ist in literarischen Kreisen vor allem durch seinen Roman »Frauendienst« bekannt, der den letzten Wissenschaftsgenerationen große Rätsel aufgab: Handelt es sich um eine echte und damit erste Autobiographie eines deutschsprachigen Autors? Haben die im Roman genannten Personen tatsächlich gelebt? Sind die geschilderten Ereignisse historisch nachweisbar? Konnte ein Ritter im Namen der Minne derart verrückte Taten setzen, wie Ulrich sie im Roman beschreibt? Welche Moralvorstellungen sind dichterische Fiktion und welche entsprachen der gesellschaftspolitischen Realität?
Viele dieser Fragen konnten nun durch ein transdisziplinäres Symposion zu Ulrich von Liechtenstein und seine Zeit geklärt werden – durch konkrete geschichts- und literaturwissenschaftliche Fragestellungen sowie durch aufwendige Detailuntersuchungen anhand von Urkunden. Die Ergebnisse und Dokumente sind im vorliegenden Band vereint. Damit erfahren die schillernde Figur Ulrich und seine Dichtung eine überraschende und teilweise völlige Neubewertung. Mit der an der Person Ulrich, seiner und der Dichtung seiner Zeitgenossen sowie seinen politischen Aktivitäten exemplarisch aufgeführten Dokumentation wurde auch ein Stück Kulturgeschichte des babenbergischen Österreich neu geschrieben.

Franz Viktor Spechtler ist Professor für Ältere Deutsche Sprache und Literatur an der Universität Salzburg und Spezialist für mittelhochdeutsche Dichtung Österreichs. Er habilitierte mit einer Arbeit zu Ulrich von Liechtenstein und transkribierte dessen Dichtungen »Frauendienst« und »Frauenbuch«. Spechtler ist Verfasser zahlreicher Monographien und Aufsätze.

AKADEMIE FRIESACH
»Stadt und Kultur im Mittelalter«
Eine internationale kulturhistorische Tagungsreihe in der ältesten Stadt Kärntens.
Seit 1990 veranstaltet das Institut für Geschichte an der Universität Klagenfurt gemeinsam mit der Stadt Friesach wissenschaftliche Kolloquien. Mit transdisziplinären Methoden werden Themen zur Kulturgeschichte des Mittelalters bearbeitet und dabei wird Gesamteuropa unter besonderer Schwerpunktsetzung auf den Alpen-Adria-Raum zum Gegenstand der Untersuchungen gemacht. Die Publikationen dienen der wissenschaftlichen Vorbereitung für die Landesausstellung 2001 »Die Stadt im Mittelalter«.
Bisherige Themen: Stadt am Beispiel Friesach, Friesacher Pfennig, Musik und Literatur, Sterben und Tod, Personennamen und Identität, Ulrich von Liechtenstein, Mensch und Natur, Mittelalterliche Menschenbilder.