Werkausgabe Wilhelm Pevny Band 10

Pevnys filmischer Bogen spannt sich von frühen Projekten wie glück am abend und nachrichten richten nach (beides 1969) – jener Epoche entstammend, in der man über die Manipulation durch Bilder verstärkt nachzudenken begann – hin zur Alpensaga, die auf unterhaltsame Weise nebst aller Dramatik eine Aufarbeitung österreichischer Geschichte darbieten wollte (so wie man mit Der Bauer und der Millionär eine landwirtschaftliche Bestandsaufnahme der Gegenwart lieferte), um schliesslich zur Dritten-Welt-Problematik des Doku-Spielfilms Safari – Die Reise hinzuführen, und zu Projekten wie Antarctica und Breitwieser.

Neben seinen Hörspielen – u. a. www.schleinzbach, ein schmerzhaft komischer Situationsbericht im Zuge der ersten Schwarz-Blauen Regierung, oder 1 Stunde Welt (wobei wir Zeuge von Abhörungen durch einen Satelliten werden, der in einer Stunde die Welt umkreist) – finden sich in diesem Band auch noch Entwürfe von Filmvorhaben, die weit fortgeschritten waren, wie etwa Der Knick, der das Umfeld einer toxikologischen Katastrophe zeichnet, oder viele Jahre vor Twins die Verkehrte Welt, in der auf gallig bittere Weise eine Umkehrung der Geschlechterrollen samt deren grotesken Auswirkungen geschildert wird.

Die „Alpensaga“ wollte Geschichten aus der Geschichte erzählen. Nicht so, wie wir sie in der Schule mehrheitlich erleiden mussten: Alexander eroberte Persien (Er alleine?), Maria Theresia erbaute Schönbrunn (Na, die wird geschwitzt haben!), sondern so wahrheitsnah und erdverbunden, wie es uns nur möglich war. Bei jeder Epoche versuchten wir die „Essenz“ derselben, sozusagen die „Überschrift“ des jeweiligen Zeitabschnitts zu finden, den wir aus bäuerlichem Blickwinkel dann beschrieben.
Wilhelm Pevny in „Die Alpensaga von innen“

Wilhelm Pevny: Geboren 1944 in Wallersdorf (Niederbayern), 1946 Übersiedlung nach Wien – Studium der Theaterwissenschaft, 1967–69 Sprachlehrer in Paris. Theaterstücke u. a. am Akademietheater, Volkstheater Wien und La Mama, New York. Fürs Fernsehen schrieb er gemeinsam mit Peter Turrini die „Alpensaga“. In Mosambik drehte er 1985 den Film „Safari. Die Reise“. Lebt seit 1989 zurückgezogen in Wien und Retz, arbeitet an Langzeitprojekten. Im Wieser Verlag erschienen: Palmenland (2007), Luft (2009), Die Erschaffung der Gefühle (2013) und Im Kreis (2014). 2014 – Literaturpreis der Stadt Wien für sein Lebenswerk.