Roman
ca. 140 Seiten, gebunden, Lesebändchen
EUR 18,40

Schon war er fest entschlossen, auf den Hügel über Ventimiglia zu steigen, doch vermochte er nicht mehr, die Altstadt zu betreten; zu düster muteten ihre uralten Gassen ihn an, zu fremd, noch fremder als die Neustadt war sie in seinen Augen. So nahm er die Straße, die an der Altstadt vorbeiführte, und still betrachtete er den Meeresglanz in der Tiefe, sah in die dunstige Ferne, ließ seinen Blick über die herrlichen Bilder des Hinterlandes schweifen. So viele Farben stellte die Landschaft zur Schau, als er auf dem Hügel innehielt, so schön war sie und bezaubernd, wie das Sonnenlicht warm. Auch das Innere der Gärten sah er, an denen er vorbeigeschritten war, sah noch mehr Häuser, noch mehr Früchte, noch mehr Leben.

Gabriel hat nur eine alte Adresse, als er von Wien aus nach Ventimiglia reist, um seinen Vater zu besuchen, der einst nach Italien ausgewandert ist. Doch sein Vater ist ausgezogen und hat keine Adresse hinterlassen. Allein im fremden Land, lernt Gabriel eine junge Italienerin kennen, und sein Leben erfährt eine unerwartete Wendung. Schicksale der Einheimischen und der Zuwanderer erfüllen den Alltag seiner neuen Heimat, und er gibt die Suche nach seinem Vater auf, als er plötzlich seine Halbschwester kennenlernt…

Mit seinen Erzählungen erweist sich Stanislav Struhar als Meister der leisen Töne und der präzisen Beobachtung, der auch in Liebesdingen genau um die Bedeutung des Wartens auf den richtigen Augenblick weiß.

„In Struhars Romanen und Erzählungen kommt der Liebe eine integrative Bedeutung, über Grenzen und kulturelle Differenzen hinweg, zu … Sein Werk ist durchaus einem engagierten, einem gesellschaftskritischen Schreiben verpflichtet.“
Silke Schwaiger, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien

Stanislav Struhar, 1964 in Gottwaldov (heute Zlín) geboren, versagte sich dem Anpassungsdruck des tschechoslowakischen Regimes in den 1980er Jahren. 1988 floh er schließlich mit seiner Frau nach Österreich. Sein bisheriges literarisches Schaffen wurde durch Stipendien unterstützt, und er erhielt zahlreiche Anerkennungen. Stanislav Struhar lebt heute in Wien. Zuletzt bei Wieser: Fremde Frauen (zwei Erzählungen, 2013), Das Gewicht des Lichts (Roman, 2014), Die vertrauten Sterne der Heimat (Roman, 2015), Farben der Vergangenheit (Erzählungen, 2016, erschien soeben auch auf Tschechisch).

Rezensionen & Reaktionen

Pressestimmen

Literární noviny vom 17. März 2018

Ein stiller, kurzer, aber sehr eindrücklicher Roman, der sicherlich für alle Bestände zu empfehlen ist.
Sabine Eidenberger, bn.bibliotheksnachrichten

ORF 2: Tschechisch-Slowakisches Magazin Ozveny vom 13. August 2017

Romantisch, impressionistisch, schwermütig leicht!
Helmuth Schönauer, Buchkultur Juni/Juli 2017

Einfühlsam und subtil erzählt Struhar von Heimat, Einsamkeit und Liebe, und führt anschaulich vor Augen, wozu Sprache fähig ist.
Karoline Thaler, ORF 2: Zeit im Bild vom 16. März 2017

Erfrischend ist der doppelte Blick von außen … Die Figuren des Romans sind europäisch und entwurzelt zugleich, mit abtastender Herzlichkeit ausgestattet und auf der Suche nach einer Zukunft, die der Gegenwart Atem lässt.
Mieze Medusa