Roman

Originalausgabe 1996
140 Seiten, Fadenheftung, Englischbroschur
vergriffen, Neuauflage bei dtv

ZUM BUCH

»Wenn ich Angst habe«, sagt Rita, »ist das Glück immer woanders.« Die »Aushäusigen« dieses Romans sind verzweifelt Suchende: ein entwurzeltes Geschwisterpaar, das fortgezogen ist aus dem Land der »Stottersprache«, des »Kindheitsschweigens« sowie ein venezianischer Fischhändler, der sich erst zu Hause fühlt, wenn er im wörtlichen Sinn ohne Haus lebt. Selten sieht man die Wirklichkeit so restlos in Sprache aufgehen wie in diesem Debütroman. Die Identitätsstörungen der Figuren spiegeln sich auf der erzählerischen Ebene wider: Die traditionelle Romanform wird aufgebrochen, ersetzt durch verschiedene Perspektiven und Sichtweisen.
In einem sehr eigenen Ton wechselt die Südtiroler Schriftstellerin Sabine Gruber zwischen monströsen und alltäglichen Szenen hin und her, erzählt mit Bilderreichtum und großer Sprachintensität von einer zu Ende gehenden Liebe in Venedig, von den Rettungsversuchen gescheiterter Herzen, von Wiener Journalisten und Kriegsberichterstattern.

Sabine Gruber, geboren 1963 in Meran/Italien. Studium der Germanistik, Geschichte und Politikwissenschaft in Innsbruck und Wien. 1988-1992 Universitätslektorin für Deutsch in Venedig. 1994-1995 Stadtschreiberin von Klagenfurt. Lebt in Wien. Veröffentlichungen (Gedichte, Erzählungen und Hörspiele) in Anthologien und Zeitschriften sowie im österreichischen und Sabine Gruber, geboren 1963 in Meran/Italien. Studium der Germanistik, Geschichte und Politikwissenschaft in Innsbruck und Wien. 1988-1992 Universitätslektorin für Deutsch in Venedig. 1994-1995 Stadtschreiberin von Klagenfurt. Lebt in Wien. Veröffentlichungen (Gedichte, Erzählungen und Hörspiele) in Anthologien und Zeitschriften sowie im österreichischen und italienischen Rundfunk. Verschiedene Preise und Stipendien.

LESEPROBE

Ich verschlafe die Vormittage, sitze die Nachmittage ab, bis mich Anton holt, mitnimmt; dann spür ich mich wieder, spür die Erregung, eine leichte Unruhe voll Erwartung, und alles ist wieder ein bißchen so wie in der ersten Zeit mit Ennio: es wird geredet, ununterbrochen wird erzählt, wenngleich anders, ohne Glanz, ohne Berührung. Sie sprechen mit gleichgültigeren Augen, sie wiederholen, was sie in ihren Zeitungen geschrieben haben, und ich halte den Mund, wähle in meinen Vergleichen. Sag etwas, pflegt Anton zu sagen, aber ich hinke ihren Sätzen hinterher, falle immer weiter zurück, bis ich sie verloren habe, meinen eigenen Gedankenweg gehe.
Auf dem Fischmarkt beginnt jetzt das große Wegräumen, das Spülen und Reinigen. Für einen Augenblick empfindet Rita Mitleid mit Ennio, stellt sich vor, wie er die Metallschalen unters Wasser hält, mit nassen Ärmeln und blutverschmierter Schürze die Kisten in die Kühlzellen schleppt.
Ich will, daß die Zeit verrinnt, sagt sie sich, nichts sonst, es soll alles weitergehen und nichts an mich herankommen, so wie damals, als ich Vater verlassen habe. Anfangs trägt man den Schmerz mit sich herum, er ist überall spürbar, als Druck im Magen, als Hämmern hinter den Schläfen, als Muskelziehen und schlechter Speichelgeschmack, schließlich lernt man, ihn abzulegen, ihn auf Landschaften und Gegenstände zu übertragen.

Rezensionen & Reaktionen

Pressestimmen

»Die Geschichte ist spannend, vor allem wenn man das Erzählprinzip und den Rhythmus erfaßt hat, beinah zu geläufig in manchen kleinen Momenten – was aber das Journalistenmilieu, eins der mehreren scharf umrissenen, sehr gut wiedergibt – und ganz heutig, auch im Sinn von frisch. Ergreifend gar für Momente die schwindende Liebesgeschichte mit dem venezianischen Fischhändler, und daß so viel offen und nur angetönt bleibt, sorgt für Wind und Licht in der Sache.«
Peter Handke

»Ein Text, kühl, passioniert und mitleidsvoll, ganz ausgetastet in den Valeurs, voller Ekstasen, überraschenden Abbremsungen, Reservaten zum Verweilen.«
Hermann Peter Piwitt